Mittwoch, 9. Januar 2019

Weihnachtsfeier der Initiativgruppe GLiSA und Vortrag über die Situation gehörloser Menschen in Sachsen-Anhalt

Vortrag mit dem Leiter der Initiativgruppe Dr. Ingo Barth
Die Initiativgruppe GLiSA (Gehörlose in Sachsen-Anhalt) mit ihrem im November 2018 neu entworfenen Logo traf sich am 5. Dezember 2018 für ihre erste gemeinsame Weihnachtsfeier in der Gebärdenmanufaktur (gemafa) in Halle (Saale). Leider musste der Leiter der Initiativgruppe Dr. Ingo Barth aus gesundheitlichen Gründen sein Kommen kurzfristig absagen. Dennoch gab es eine kurze Live-Videoübertragung mit ihm, um die anwesenden Teilnehmer zu begrüßen. Bis 22 Uhr hat die GLiSA-Gruppe gemütlich gefeiert.

Am 19. Dezember 2018 gab es einen interessanten Vortrag mit Dr. Ingo Barth in der Gebärdenmanufaktur. Er hat viel zur vereinspolitischen Entwicklung der Gehörlosen in Sachsen-Anhalt in der Zeit zwischen dem Mauerfall und der Gegenwart recherchiert und präsentierte die Ergebnisse in seinem Vortrag. Auch die Ziele und Aufgaben unserer Initiativgruppe stellte er vor. Er gab den Teilnehmern einen Überblick zu den aktuellen Themen, wie etwa die Erhöhung des Gehörlosengeldes und die aktuelle Situation des Dolmetschtopfes, und schlug eine mögliche Strukturänderung der Gehörlosenvereine in Sachsen-Anhalt vor. Nach dem zweistündigen Vortrag gab es eine spannende Diskussionsrunde mit den Teilnehmern aus Halberstadt, Magdeburg, Halle (Saale), Merseburg, Naumburg und Köthen. Die weitere Diskussion lief mit toller Verpflegung durch die gemafa bis zum späten Abend.

Für die Organisation der Weihnachtsfeier und des Vortragsabends möchten wir uns bei Mercedes Neuhäusel von der gemafa herzlich bedanken.

Montag, 3. Dezember 2018

Vortrag - Situation gehörloser Menschen in Sachsen-Anhalt

Die Gebärdenmanufaktur "Gemafa", Bergstraße 1, Halle/S. lädt herzlich zu einem Gastvortrag am 19. Dezember 2019 um 18 Uhr ein.

Dr. Ingo Barth wird einen Vortrag über die Situation gehörloser Menschen in Sachsen-Anhalt halten. Außerberuflich setzt er sich für die Belange und Rechte gehörloser Menschen in Sachsen-Anhalt ein und führt die im Herbst 2016 gegründete „Initiativgruppe zur Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe der Gehörlosen am Leben in der Gesellschaft in Sachsen-Anhalt“.

Wie hat sich die Gemeinschaft der Gehörlosen in Sachsen-Anhalt in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Welche Gehörlosenvereine gibt es und wie werden sie sich weiter entwickeln? Welche Probleme gibt es aktuell in Sachsen-Anhalt? Ist die gleichberechtigte Teilhabe der Gehörlosen am Leben in der Gesellschaft in Sachsen-Anhalt vorhanden? Wie sieht es mit der Erhöhung des Gehörlosengeldes und dem Dolmetschtopf aus? Was muss noch gemacht und verbessert werden?

Die im Herbst 2016 gegründete Initiativgruppe beschäftigt sich mit diesen Fragen. In diesem Vortrag wird Dr. Ingo Barth die konkreten Probleme mit einigen Beispielen und deren Lösungsvorschlägen aufzeigen und die bisherigen politischen Aktivitäten dieser Initiativgruppe berichten.

Zur Person:
Dr. Ingo Barth hat im Jahr 2004 das Physik-Diplom an der TU Berlin erworben und im Jahr 2009 im Fach Theoretische Chemie an der FU Berlin promoviert. In seinen beiden Postdoc-Phasen 2010-2013 und 2013-2014 war er im Max-Born-Institut in Berlin und im Institut der Theoretischen Physik der Leibniz Universität Hannover tätig. Seit Ende 2014 arbeitet er als Leiter der theorieorientierten Max-Planck-Forschungsgruppe „Stromtragende Quantendynamik“ am Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik in Halle (Saale).

Homepage der Forschungsgruppe: http://www.mpi-halle.mpg.de/ccqd
Persönliche Homepage: http://www.mpi-halle.mpg.de/~barth

Der Vortrag wird in Deutscher Gebärdensprache gehalten und in Deutsche Lautsprache gedolmetscht.

Mittwoch, 21. November 2018

Treffen der Initiativgruppe zu den Themen Dolmetschtopf und Gehörlosengeld am 26. September 2018 im Café Magado in Magdeburg und am 7. November in der Bastian Bahnhofslounge in Halle

Bei den letzten beiden Besprechungen der Initiativgruppe am 26. September 2018 in Magdeburg und am 7. November 2018 in Halle ging es vor allem um die aktuelle Problematik des Dolmetschtopfes und die geplante Erhöhung des Gehörlosengeldes ab 2019 in Sachsen-Anhalt. 

Am 30. September 2018 hatte Ingo Barth ein einstündiges Gespräch mit Frau Grimm-Benne, stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt, im Landtagsgebäude in Magdeburg. Unsere Forderung ist nach wie vor, dass die Dolmetschkosten bei Elternabenden direkt von den Schulträgern oder vom Ministerium für Bildung übernommen werden. Dafür ist eine entsprechende Ergänzung im Behindertengleichstellungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalts nötig. Stattdessen schlug die Sozialministerin vor, dass der Dolmetschtopf ab 2019 aufgrund der höheren Stundensätze der Dolmetscher/-innen aufgestockt werden soll. Wir werden erst zum Ende dieses Jahres erfahren, ob ihr Vorschlag umgesetzt werden kann. Das dürfte allerdings nur eine vorübergehende Lösung dieses Problems sein. Langfristig ist eine gesetzliche Verankerung der Kostenübernahme im Behindertengleichstellungsgesetz sinnvoller, damit die freiwillige Leistung des Landes, der Dolmetschtopf, für andere private Termine verwendet werden kann. Zur Verwaltung des Dolmetschtopfes hat die Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von der Abgeordneten Frau Zoschke (Die Linke) im Oktober 2018 geantwortet, siehe Drucksache 7/3456.

Ein anderes aktuelles Thema ist die von der Regierungskoalition geplante Erhöhung des Blinden- und Gehörlosengeldes ab 2019. Der Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Blinden- und Gehörlosengeldes wurde am 24. Oktober 2018 im Landtag Sachsen-Anhalt beraten und soll noch bei der Landtagssitzung im Dezember 2018 abgestimmt werden. Die Regierungskoalition hat die Erhöhung des Gehörlosengeldes um lediglich 11 Euro auf 52 Euro geplant; die Oppositionsparteien verlangen eine deutliche Erhöhung des Gehörlosengeldes um mehr als nur 11 Euro. Dazu hat die Initiativgruppe mit Hilfe eines Anwaltes eine Stellungnahme verfasst, bisher jedoch noch keine schriftliche Reaktion von den Landtagsfraktionen erhalten.

Kurt Strauß und Ingo Barth nahmen an dem landesweiten Vernetzungstreffen der im Juli 2018 gegründeten „Liga der politischen Interessen- und Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen in Sachsen-Anhalt e.V.“ am 24. Oktober 2018 in Magdeburg teil. Da die LIGA sich als Dachverband dieser Organisationen versteht, hat die Initiativgruppe der Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt e.V. (GGSA) empfohlen, Mitglied der LIGA zu werden.

Das nächste Treffen der Initiativgruppe mit einer kleinen Weihnachtsfeier findet am Mittwoch, den 5. Dezember 2018 um 17.30 Uhr in Halle (Saale) statt.

Freitag, 26. Oktober 2018

Erste Beratung im Landtag zum Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Blinden- und Gehörlosengeldes

Am Mittwoch, den 24.10.2018 gab es eine erste Beratung im Landtag zum Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Blinden- und Gehörlosengeldes in Sachsen-Anhalt, siehe TOP 4. Das Video (auch in DGS) ist dort zu finden:

https://www.landtag.sachsen-anhalt.de/plenarsitzungen/27-sitzungsperiode/#/?accordion=0&accordionPlenar=5&accordionVideo=0

Die Initiativgruppe zur Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe der Gehörlosen am Leben in der Gesellschaft in Sachsen-Anhalt war durch Ingo Barth auf der Besuchertribüne vertreten. Wir begrüßen die Entscheidung, dass der Gesetzentwurf in den Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration überwiesen und dort weiter diskutiert werden soll.

Laut dem Gesetzentwurf soll das Gehörlosengeld ab 2019 erhöht werden. Wie hoch das Gehörlosengeld sein soll, wird noch entschieden, wobei der momentane Entwurf eine Erhöhung um 11 Euro auf 52 Euro vorsieht. Ich hoffe, dass das Gehörlosengeld nach über 20 Jahren endlich angemessen erhöht wird. Ferner ist eine jährliche Anhebung des Blinden- und Gehörlosengeldes auf Grundlage der Rentenentwicklung geplant.

Wir in der Initiativgruppe zählen auf eure Unterstützung!

Gebärdenvideo von Dr. Ingo Barth:

Mittwoch, 27. Juni 2018

Begründung unserer Forderungen zum Thema Gehörlosengeld

Begründung unserer Forderung nach Erhöhung des Gehörlosengeldes

Im Folgenden möchten wir mit einigen Beispielen erläutern, mit welchen Hürden sich hörbehinderte Menschen konfrontiert sehen und weshalb diese durch den bisherigen Nachteilsausgleich nicht beseitigt werden können. Die folgenden Missstände verstärken bei den Betroffenen das Gefühl von Benachteiligung, Diskriminierung und Ungleichbehandlung und erfordern zeitnahes Handeln. Mit dem Gehörlosengeld wird ein Nachteilsausgleich für Mehrausgaben, die aufgrund von Gehörlosigkeit entstehen, gewährt. Zu dem seit 20 Jahren steigenden Mehraufwand gehören u.a. die Kosten für technische Hilfsmittel und Gebärdensprachdolmetscher/-innen (aktuell 75 Euro pro Stunde), wobei diese Kosten nur in sehr begrenztem Umfang und in wenigen bestimmten Lebensbereichen u.a. von den Krankenkassen und öffentlichen Trägern übernommen werden. In zahlreichen anderen Lebensbereichen und Alltagssituationen müssten die Kosten selbst getragen werden. Diese zusätzlichen finanziellen Belastungen beeinträchtigen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und sollen durch das erhöhte Gehörlosengeld kompensiert werden.

Aktuelle Bedingungen des Gehörlosengeldes

Die Bestimmungen, durch die die Gewährung des Gehörlosengeldes an Hörstatus und Zeitpunkt der Ertaubung gekoppelt ist, betrachten wir als diskriminierend. So erhält ein gehörloser Mensch, der im Alter von 7 Jahren oder später ertaubte oder bei dem erst mit 7 Jahren eine Hörschädigung nachgewiesen werden konnte, keinen Nachteilsausgleich, obwohl auch trotz erfolgtem Spracherwerb die Kommunikation stark beeinträchtigt ist. Nicht selten sind hohe psychische Belastungen die Folge, die durch Inanspruchnahme des Nachteilsausgleichs gegebenenfalls minimiert bzw. behandelt werden können. Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich, dass sich die Betroffenen ein entsprechendes Kommunikationssystem (Deutsche Gebärdensprache, Lautsprachbegleitende Gebärden, etc.) aneignen, bzw. einen speziell ausgebildeten Dolmetscher bestellen (Oraldolmetscher).

Finanzierung von privaten Dolmetscheinsätzen und Aufwand der Bestellung

Die Kosten für Gebärdensprachdolmetscher/-innen im privaten Bereich (z.B. Versicherungsberatungen, Volkshochschule, Haus- und Wohnungsangelegenheiten, Vorstellungsgespräche, Notar- und Anwaltstermine, Bankangelegenheiten, Autokauf, etc.), werden derzeit zum Teil privat finanziert, wobei die Selbstbestimmung und das Wunsch- und Wahlrecht von gehörlosen Menschen gewährleistet werden müssen.
Die Bestellung eines Dolmetschers oder einer Dolmetscherin zur Sicherstellung der Kommunikation ist derzeit sehr zeitintensiv und mit unverhältnismäßig viel Bürokratie verbunden, was auch psychische Belastungen verstärken kann.

Schriftliche Kommunikationshilfen

Schriftliche Korrespondenz mit Behörden und Ämtern bedarf in der Regel einer Textübersetzung bzw. -korrektur, um die Kommunikation zu sichern. Auch diese Leistung muss von hörbehinderten Menschen vergütet werden.

Erhebliche Tarifmehrkosten

Bei Nutzung eines Telefondienstes mit Gebärdensprachdolmetscher/-innen müssen Hörbehinderte zusätzlich zu den regulären Telefongebühren weitere Gebühren bezahlen, um die Kommunikation im Alltag zu ermöglichen.

Durch die Videochat-Nutzung zur Kommunikation im Alltag entstehen Hörbehinderten zusätzliche Kosten, da dadurch ein größeres Datenvolumen verbraucht wird.

Mangelnde regionale Kulturangebote

In Sachsen-Anhalt gibt es nahezu keine öffentlichen Kulturangebote (Theater, Kinos, etc.) für Hörbehinderte. Die Kulturangebote anderer Bundesländer (z.B. Berlin) sind mit erhöhten Kosten und Organisationsaufwand verbunden (Fahrtkosten, evtl. Übernachtung, etc.). 

Mehrkosten für Technik

Hörbehinderte Menschen sind nicht in der Lage, einen Defekt an Haushaltsgeräten akustisch wahrzunehmen und den Schaden schnellstmöglich zu beheben. Infolgedessen müssen technische Geräte unter Umständen vermehrt ausgetauscht werden, da der Defekt nicht frühzeitig erkannt wurde. Des Weiteren sind Hörbehinderte auf teurere barrierefreie Technik angewiesen.

In der alltäglichen Kommunikation unter Hörbehinderten sind technische Geräte wie z.B. Webcam und Mobiltelefone mit hoher Bildqualität, zur problemlosen visuellen (gebärdensprachlichen) Kommunikation unabdingbar, was wiederum mit höheren Kosten verbunden ist.

Mehraufwand für unterstützende Angebote

Für die Inanspruchnahme spezieller Angebote und Beratungen (z.B. Verbraucherzentrale, Drogenberatung, psychologische Beratungen, Telefon-Seelsorge, Frauenhaus, vorschulische Beratungen, etc.) werden Dolmetscher/-innen benötigt. Kann ein Angebot vor Ort nicht wahrgenommen werden, müssen Hörbehinderte auf Angebote in anderen Regionen zurückgreifen, was mit weiteren Kosten verbunden ist.

Vermeidung sozialer Isolation

Hörbehinderte Menschen in ländlichen Gebieten müssen ihre sozialen Kontakte zu anderen hörbehinderten Menschen (Freunde, Familienangehörige) regelmäßig pflegen und u.U. Vereine für Hörbehinderte in anderen Städten besuchen, um soziale Isolation zu vermeiden. Auch dies ist mit Mehraufwand z.B. für Fahrtkosten verbunden.

Hörbehinderte Flüchtlinge/Migranten

Hörbehinderte Flüchtlinge benötigen eine spezielle Art der Kommunikation, die derzeit finanziell nicht darstellbar und mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden ist.

Nachteilsausgleich im Arbeitsleben

Aufgrund geringerer Aufstiegsmöglichkeiten für Hörbehinderte im Arbeitsleben (u.a. durch Barrieren in der Kommunikation) bekommen sie in vielen Fällen unverändert geringe Löhne. Dieser lebenslange Nachteil im Arbeitsleben sollte ausgeglichen werden.

PDF Dokument - Begründung Gehörlosengeld

Freitag, 22. Juni 2018

Treffen der Initiativgruppe zu den aktuellen Themen: Jugendfeier – Elternabende – Gehörlosengeld – Beratungsstellen 20. Juni 2018, Café Magado in Magdeburg

Erstmals in Magdeburg kamen 10 Mitglieder der Initiativgruppe zu einem Treffen am 20. Juni 2018 zusammen. Im Café Magado wurden anfangs die aktuellen Themen der letzten Wochen besprochen.

Es ging zuerst um die Barrieren auf der Jugendfeier in Magdeburg (siehe Volksstimme-Artikel „Gebärdensprache auf Bühne verboten“ vom 8. Juni 2018) und die Verbreitung dieser Nachricht in sozialen Medien und durch Diskussionen innerhalb der deutschen Gehörlosengemeinschaft. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. und die Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt e.V. hatten eine gemeinsame Stellungnahme zur Jugendfeier verfasst.

Dann informierte Ingo Barth über den jetzigen Stand zur Übernahme der Dolmetschkosten bei Elternabenden. Aktuell übernimmt nur die Stadt Halle (Saale) die Dolmetschkosten bei Elternabenden. Halberstadt lehnt die Kostenübernahme strikt ab. Magdeburg hat anscheinend Zuständigkeitsprobleme. Der Landkreis Stendal verwies auf einen Antrag, dass der Schulort und nicht der Wohnort der Kinder zuständig sei.

Manja Schade und Ingo Barth wurden zum Gespräch mit dem ganzen AfD-Fraktionsvorstand des Landtages Sachsen-Anhalt am 19. Juni 2018 in Magdeburg eingeladen, um unsere Forderungen zum Thema Gehörlosengeld zu besprechen. Weitere persönliche Gespräche mit den anderen Landtagsfraktionen finden in der nächsten Zeit statt. Im Allgemeinen unterstützen einige Fraktionen unser Vorhaben und wollen die Anpassung des Gehörlosengeldes bei der Haushaltsplanung für das Jahr 2019, über die erst im September im Landtag entschieden wird, schon berücksichtigen.

Dann diskutierten wir über die Merkzeichen des Schwerbehindertenausweises und die medizinischen Vorgaben zur Feststellung des Grades der Behinderung sowie die für das Jahr 2017 vorliegenden aktuellen Zahlen der Gehörlosen und Gehörlosengeldempfänger/-innen in Sachsen-Anhalt. Das Gesetz über das Blinden- und Gehörlosengeld im Land Sachsen-Anhalt soll geändert werden, eventuell in Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt e.V. Dazu machten wir uns auch Gedanken über das Taubblindengeld.

Als nächsten Diskussionspunkt lasen wir uns den Entwurf zur Begründung unserer Forderungen zum Thema Gehörlosengeld durch und schlugen einige Änderungen vor. Das Schreiben soll rechtzeitig fertiggestellt werden, damit wir es den Landtagsfraktionen, insbesondere deren behindertenpolitischen Sprecher/-innen, zur Verfügung stellen können.

Zum Schluss führten wir eine offene Diskussion über die Situation der Beratungsstellen für Hörbehinderte in Sachsen-Anhalt. Dabei tauchten Begriffe wie Dolmetschtopf und EUTB (ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) in dieser Diskussion auf. Bei den nächsten Treffen sollten wir uns auch darüber Gedanken machen, wie wir diese Situation in Sachsen-Anhalt verbessern können.

Die anwesenden Teilnehmer/-innen verabredeten sich für das nächste Treffen der Initiativgruppe am Mittwoch, den 18. Juli 2018 um 17.30 Uhr in Magdeburg.

Freitag, 8. Juni 2018

Zeitung Volksstimme: Gebärdensprache auf Bühne verboten

Enttäuschende Jugendweihe in Magdeburg: Eine Gebärdensprachdolmetscherin durfte sich nicht im Bühnenbereich positionieren. 

Von Christina Bendigs

Magdeburg: l In jedem Jahr werden Hunderte Jugendliche mit der Jugendweihe in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Auch für Sabine Kuballa und ihren Sohn Patrick sollte der Tag und die damit verbundene Feierstunde in der Johanniskirche in Magdeburg etwas Besonderes werden. Doch bei Familie Kuballa ist einiges anders.

Mutter Sabine Kuballa ist gehörlos, ebenso wie ihr Lebenspartner und ihre Mutter, die ebenfalls an der Feierstunde teilnahmen. Damit sie alles verstehen, was auf der Bühne gesprochen wird, bestellt sich Sabine Kuballa für solche Anlässe immer einen Dolmetscher. Auch dieses Mal. Und sie wollte im Vorfeld mit dem Veranstalter, dem Verein Jugendfeier, klären, dass die Dolmetscherin Carina Dounz im Bühnenbereich stehen kann, so dass die gehörlose Familie beides – Bühne und Dolmetscherin – im Blick haben kann.

Veranstalter wenig kompromissbereit

Doch im telefonischen Kontakt mit der Dolmetscherin und im E-Mail-Kontakt mit der Familie habe sich der Veranstalter wenig kompromissbereit gezeigt.

Die große Hoffnung der Familie war, dass sich vor Ort noch etwas regeln ließe. Aber auch dort sei keine Lösung gefunden worden. Der Dolmetscherin, die sich zunächst in den Gang stellte, sei sogar gedroht worden, dass sie die Veranstaltung verlassen müsse, wenn sie sich nicht setze.

Karte für Dolmetscherin gekauft

Einzige Variante wäre gewesen, dass sich die Familie ganz nach hinten in den Saal begebe. Das wiederum sei für die Familie nicht akzeptabel gewesen, die schließlich auch Karten für die Veranstaltung bezahlt hatte – auch für die Dolmetscherin eine Karte habe kaufen müssen.

Dolmetscherin und die Familienangehörigen des 14-jährigen Patrick hätten am Ende in einer Reihe gesessen – und konnten entweder dem Bühnengeschehen oder der Dolmetscherin folgen. Die Enttäuschung sei groß gewesen, ebenso wie die Nackenschmerzen, mit denen die Feierstunde für die Familie endete.

Mutter kommuniziert in Gebärdensprache


„Ich hätte gern alles mitbekommen“, sagt Sabine Kuballa. „Ich bin so stolz auf meinen Sohn, wie er herangewachsen ist“, erzählt sie in Gebärdensprache.

Patrick habe von dem ganzen Ärger gar nichts mitbekommen, erzählt er. „Es hat mich aber gewundert, dass die Dolmetscherin nicht vor oder neben der Bühne stand“, sagt er. Auch Sabine Kuballa kann es nicht verstehen. Es habe schon mehrere Anlässe gegeben, wie zum Beispiel die Einschulungen ihrer beiden Kinder. Damals sei es kein Problem gewesen, dass die Dolmetscherin auf der Bühne stand.

Dolmetscher halten sich zurück

Natürlich würden die Dolmetscher sich so zurückhaltend verhalten, dass sie in Momenten, in denen zum Beispiel Fotos gemacht werden, aus dem Bild herausgehen würden, sagt Dolmetscherin Carina Dounz, die an diesem Tag als Übersetzerin bestellt war.

Eigentlich bestehe sogar ein gesetzlicher Anspruch auf Teilhabe behinderter Menschen, sagen Sabine Kuballa und Carina Dounz. Doch da es sich um eine private Veranstaltung gehandelt habe, sei der Rechtsanspruch entfallen.

Gebärdensprache als Normalität

Nun wendet sich die Mutter mit ihrer Geschichte an die Volksstimme. Ziel sei nicht, den Verein anzugreifen. Vielmehr wolle sie einen Denkanstoß geben. Es stünde eine weitere Jugendweihefeier bevor, an der eine gehörlose Familie teilnehmen werde. Sabine Kuballa hofft, dass ein Umdenken stattfindet, für gehörlose Menschen mitgedacht werde, und Gebärdensprachdolmetscher bei Veranstaltungen zur Normalität werden, einfach zum Bild dazugehören.

In zwei Jahren hat ihr jüngerer Sohn Jugendweihe. Sie hofft, dass die Feierstunde dann anders abläuft.

Keine weiteren Aussagen vom Veranstalter

Der Verein Jugendfeier antwortet auf Volksstimme-Nachfrage nur im Namen des „Vorstandes“ mit einer knappen Rückmeldung: Es habe mit der betroffenen Mutter, einer Gebärdensprachdolmetscherin und der Beratungsstelle für Hörbehinderte im Vorfeld einen regen Austausch gegeben. „Diesen Personen wurden im Vorfeld der Veranstaltung unsere Rahmenbedingungen ausführlich dargelegt und erläutert. Daher halten wir es zum derzeitgen Zeitpunkt nicht für notwendig, weitere Aussagen in dieser Angelegenheit zu treffen“, hieß es in der schriftlichen Antwort.

Die Volksstimme fragte auch die Beratungsstelle für Hörbehinderte und den Landesverband der Gehörlosen Sachsen-Anhalt zu einer Einschätzung an, erhielt aber keine Rückmeldung.

Quelle: Zeitung Volksstimme, von 8. Juni 2018


Darum müssen wir stark sein und für die bessere Teilhabe der Gehörlosen an der Gesellschaft in Sachsen-Anhalt kämpfen.

Montag, 4. Juni 2018

Diskussionsrunde zum Thema Gehörlosengeld, 30. Mai 2018, Räumlichkeiten des GSBV in Halle



Beim zweiten Treffen in diesem Jahr, am 30. Mai 2018, waren 10 Teilnehmer/- innen im Sportbüro des GSBV anwesend. Nach der ersten Diskussionsrunde am 25. April hatten Holger Mende, Falko Neuhäusel und Ingo Barth ein Informationsschreiben über unsere Forderungen zur Erhöhung des Gehörlosengeldes in Sachsen-Anhalt vorbereitet.

Dieses Schreiben wurde den Anwesenden vorgelegt. Zwei Stunden lang haben wir über die einzelnen Punkte diskutiert. Zum Schluss haben wir uns geeinigt, dass das Schreiben nur geringfügig korrigiert und dann an alle behindertenpolitischen Sprecher/-innen der Fraktionen (CDU, SPD, Bündnis90/DIE GRÜNEN, DIE LINKE und AfD) des Landtages von Sachsen-Anhalts per Post und per E-Mail geschickt wird, zusammen mit den entsprechenden Anschreiben und Bitte um zeitnahe persönliche Gespräche.

Die anwesenden Teilnehmer/-innen solidarisieren sich mit unseren Zielen, die Lebenssituation hörbehinderter Bürger/-innen in Sachsen-Anhalt zu verbessern. So beschlossen wir, unsere Diskussion am

Mittwoch, den 20. Juni 2018, in Magdeburg fortzusetzen.

Anlage:
Informationsschreiben über unsere Forderungen zur Erhöhung des Gehörlosengeldes in Sachsen-Anhalt

Mittwoch, 25. April 2018

Erstes Treffen mit gehörlosen Interessenvertretern aus Sachsen-Anhalt, 25. April 2018, Räumlichkeiten des GSBV in Halle

"Die Initiativgruppe zur Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe der Gehörlosen am Leben in der Gesellschaft in Sachsen-Anhalt" bildete sich im Herbst 2016, unter der Führung von Ingo Barth und Isabell Schölzel. Sie setzten sich dafür ein, dass die Schulträger bezahlen, wenn bei Elternabenden Dolmetscher bestellt werden. Vorher war der sogenannte Dolmetschtopf zuständig. Das Geld reichte aber oft zum Jahresende nicht mehr aus.


Im Februar 2017 konnte die Gruppe einen ersten Erfolg vermelden! (Nachzulesen und als Gebärdenvideo hier: http://begisa.de/2017/02/10/uebernahme-von-dolmetschkosten-bei-elternabenden) Leider klappte die Kostenübernahme in vielen Landkreisen nicht, und bis jetzt gibt es immer noch viele Probleme für Gehörlose im Land.

Die Initiativgruppe möchte weiter politisch aktiv bleiben, und bittet dabei um die Unterstützung von der Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt e.V. (GGSA) und vom Gehörlosensportverband Sachsen-Anhalt e.V. (GSV). Ingo Barth hatte dazu nach Halle eingeladen. Es waren Vertreter der Gehörlosenvereine und des Landesverbandes, der Hochschule Magdeburg-Stendal, und vom Berufsverband der Gebärdensprachdolmetscher/-innen anwesend. Über zwei Stunden lang wurden Probleme besprochen, mögliche Lösungen diskutiert, und Ideen ausgetauscht.

Ingo Barth zeigte eine Präsentation über die Geschichte des Dolmetschtopfes in Sachsen-Anhalt. Dabei war 1996 ein wichtiges Jahr, in dem viele politische Ziele erreicht wurden. Unter anderem wurde das Gehörlosengeld eingeführt. Allerdings hat sich die Höhe des Gehörlosengeldes seit 1996 nicht geändert.








Es wurden Themen gesammelt, mit denen sich die Initiativgruppe befassen sollte:

- Mehr Gehörlosengeld (Nachteilsausgleich!)
- Klärung des Dolmetschtopfs
- Probleme mit den Beratungsstellen für Gehörlose im Land
- Behindertengleichstellungsgesetz des Landes
- Kostenübernahme für Dolmetscher bei Elternabenden
- Inklusive Bildung und Bildung in Gebärdensprache für gehörlose Kinder!
- Teilnahme am Runden Tisch / Landesbehindertenbeirat
- Frühförderung für gehörlose Kinder und Hausgebärdensprachkurse

Es wurde vereinbart, dass Gruppe unter der Leitung von Ingo Barth die Unterstützung der GGSA und des GSV hat.